Moritzburg. Ein Dorf hat endlich wieder einen Laden. Dann wachsen daneben Bäume – und plötzlich soll der Laden gedreht werden. Um 90 Grad. Für geschätzte 40.000 Euro. Willkommen in Friedewald. Dabei ist die Fritz-Box eine Erfolgsgeschichte. Am 26. Februar 2023 eröffnete am Bolzplatz in Friedewald, einem Ortsteil von Moritzburg, Sachsens erste automatisierte 24-Stunden-Einkaufsbox. Nach Jahren ohne Lebensmittelgeschäft konnten die rund 1.000 Einwohner wieder im Ort einkaufen – auch nachts und sonntags. Hinter dem REWE-Pilotprojekt stehen die Kaufleute Fritz Starke, Namensgeber der Box, und Stefan Köckeritz.
Auf knapp 40 Quadratmetern gab es zum Start rund 800 Artikel, von Obst, Brot und Milch bis zu Zahnbürsten und Drogeriebedarf. Später wuchs das Sortiment auf über 1.000 Produkte, dazu kamen frische Backwaren. Zugang und Bezahlung funktionieren per Bankkarte, Personal wird nur zum Auffüllen gebraucht. Klein, praktisch, sinnvoll.
Und jetzt soll der Container Karussell fahren?
Das Problem lässt sich in einem Satz erklären: Bislang zeigt die lange Seite der Fritz-Box zur Straße. Künftig soll sie zum Bolzplatz zeigen – eine Drehung um 90 Grad. Kein neuer Laden, kein anderer Standort. Der Grund: der vorgeschriebene Mindestabstand von 30 Metern zum Wald. Nach den Schilderungen vor Ort waren die Flächen an der Waldkante bei der vorläufigen Genehmigung auf Geokarten noch als Wiese markiert. Inzwischen zählen nachgewachsene Bäume als Wald. Was bei der Standortwahl kein Hindernis war, wird nun zur Hürde. Der benachbarte Jugendclub ist dagegen nicht betroffen – mit der Begründung, er habe schon vorher im Wald gestanden.
Dabei ist ein Waldabstand kein Schikane-Paragraf. Er soll vor Bränden und umstürzenden Bäumen schützen. Aber Sachsens Waldgesetz lässt ausdrücklich Ausnahmen zu. Deshalb muss die konkrete Gefahr geprüft werden: Wie viel Sicherheit bringt eine Vierteldrehung tatsächlich?
Wer soll das bezahlen?
Rund 40.000 Euro werden für die Umsetzung geschätzt. Eine bestätigte Kalkulation liegt nicht vor. Für einen privat betriebenen Pilotmarkt kann so eine Summe das Ende bedeuten. Ob REWE und die Betreiber dafür Geld ausgeben wollen, ist offen. Verliert Friedewald deshalb seine Einkaufsmöglichkeit, wäre das bitter: Hier funktionierte endlich, was in vielen Dörfern fehlt.
Moritzburg plant, Jugendclub, Bolzplatz, Beachvolleyballfeld und Box über einen Bebauungsplan zu sichern. Den Vorentwurf billigte der Gemeinderat 2025; am 26. Oktober stand ein weiterer Abwägungsschritt auf der Tagesordnung. Als Ausweg wird eine ministerielle Einstufung solcher Einkaufsboxen als Automaten ins Spiel gebracht. Ob das tatsächlich vom Waldabstand befreit, ist ungeklärt. Daneben sieht das Waldgesetz selbst Ausnahmen vor, über die die Bauaufsicht im Benehmen mit der Forstbehörde entscheidet. Hier muss sich zeigen, ob Verwaltung mehr kann, als Vorschriften abzuhaken. Die Fritz-Box hat Friedewald ein Stück Alltag zurückgebracht. Sie ausgerechnet an 90 Grad scheitern zu lassen, wäre ein teurer Schildbürgerstreich.



