Moritzburg. Wenn am 24. und 25. Oktober die Netze durch den Schlossteich gezogen werden, frischer Fisch verkauft wird und Jagdhörner zwischen den Bäumen erklingen, zeigt Moritzburg wieder eine seiner lebendigsten Seiten. Doch das Fisch- und Waldfest ist längst mehr als Abfischen, Markt und Familienausflug. Es ist eine regionale Leistungsschau – und ein Treffpunkt zwischen Stadt und Land, an dem sichtbar wird, wie eng Genuss, Landschaft und harte Arbeit zusammengehören.
Seit 2011 ist das Fest gewachsen. Inzwischen werden mindestens 20.000 Besucher erwartet – bei gerade einmal rund 2.500 Einwohnern im Ort. Der Eintritt bleibt frei. Parkplätze, Shuttlebusse, Standgebühren und Unterstützer wie Schwerter Bräu Meißen und Oppacher Mineralquellen helfen, eine Veranstaltung zu stemmen, die rund 100.000 Euro kostet. Im Mittelpunkt steht natürlich der Karpfen. Doch gerade er erzählt in diesem Jahr eine nachdenkliche Geschichte. „Es ist kaum noch Wasser im Schlossteich“, sagt Henry Lindner von der Teichwirtschaft Moritzburg. Die Himmelsteiche leben vor allem vom Niederschlag. Regenmangel, Hitze und Wind ließen die Pegel sinken. Im Sommer wurde zeitweise nicht mehr gefüttert, weil warmes Wasser weniger Sauerstoff aufnehmen kann. Statt geplanter 60 Tonnen Fisch rechnet Lindner 2026 eher mit 40 bis 50 Tonnen. Vor zehn Jahren seien es noch rund 150 Tonnen gewesen.
Dass der heimische Karpfen trotzdem die Hauptrolle spielt, ist für Lindner eine Frage regionaler Identität. Ideen wie längere Aufzuchtzeiten stoßen schnell an Grenzen: Kormorane dezimieren Satzfische, fehlendes Wasser erschwert die Bewirtschaftung. Und wenn ein Teich saniert wird, fehlt andernorts womöglich der Zulauf. Das betrifft nicht nur Fischer – niedrige Wasserstände können auch Veranstaltungen wie den Moritzburger Schlosstriathlon gefährden.
Ähnlich klingt es beim Sachsenforst. „Sein Problem ist mein Problem – das Wasser“, sagt Bernd Dankert. Die Dürrejahre von 2018 bis 2023 wirken nach. Rund um Moritzburg wurden im Landeswald 12,5 Hektar wieder aufgeforstet. Gleichzeitig verschiebt sich die Baumartenwahl. Die Buche, vor 30 Jahren noch selbstverständlich gepflanzt, werde in dieser Lage künftig deutlich an Bedeutung verlieren. Allein für die Verkehrssicherung an Staatsstraßen und öffentlichen Wegen werden rund 100.000 Euro benötigt. Genau darüber soll beim Waldfest gesprochen werden: offen, praktisch und ohne romantischen Filter. Wildgehege, Forstbetriebsgemeinschaft, Jagdhornbläser und Kettensägenschnitzer zeigen, wie vielfältig Waldnutzung heute ist. Dazu kommen Fragen zu Feuchtgebieten, Amphibien, Naturschutz und privatem Waldbesitz.
Und gefeiert wird trotzdem – oder gerade deshalb. Die Fischzüge starten an beiden Tagen um 11, 13 und 15 Uhr. Showkoch Daniel Fischer gibt Tipps rund um Karpfen und andere Fischgerichte, dazu kommen Frischfischverkauf, Markttreiben, Kinderaktionen und Live-Musik. Am Samstag führt ein Lampionumzug durch Moritzburg, bevor am Abend ein Barockfeuerwerk den Himmel hinter dem Schloss erhellt.


