Wenn in der Villa Teresa Ende Juni über Musik gesprochen wird, geht es ausnahmsweise nicht zuerst um Noten. Sondern um Wege. Um Zugfahrten, Briefe, Konzerttourneen und die Frage, wie eine junge Frau aus Venezuela vor mehr als 130 Jahren zu einem der größten Stars der internationalen Musikwelt werden konnte.
Am 22. und 23. Juni rückt in Coswig eine Musikerin ins Zentrum, die heute selbst vielen Klassikfreunden kaum noch ein Begriff ist: Teresa Carreño. Zu ihrer Zeit war das anders. Die Pianistin, Komponistin und Sängerin füllte Konzertsäle in Europa und Amerika, spielte vor Staatsoberhäuptern und wurde von Kritikern gefeiert. Einige Jahre ihres Lebens verbrachte sie ausgerechnet in Coswig. Das Haus, das heute ihren Namen trägt, war einst ihr Zuhause.
Dort treffen sich nun Forschende aus Deutschland, Belgien, Spanien und mehreren Ländern Lateinamerikas. Sie wollen keine Denkmäler polieren, sondern Spuren lesen. In Zeitungen des 19. Jahrhunderts. In privaten Briefen. In Konzertprogrammen, die längst vergilbt sind. Das Symposium untersucht, wie Carreño in Deutschland wahrgenommen wurde, welche Netzwerke ihre Karriere ermöglichten und wie sie sich in einer Musikwelt behauptete, die damals fast ausschließlich von Männern dominiert wurde.
Dabei geht es auch um überraschend moderne Fragen. Wie veränderten frühe Aufnahmetechniken das Musikerleben um 1900? Welche Rolle spielten internationale Kontakte lange vor E-Mail und Videokonferenz? Und warum verschwinden manche Weltstars aus dem kollektiven Gedächtnis, während andere bis heute präsent bleiben?
Zwischen Vorträgen und Diskussionen bleibt es nicht bei trockener Theorie. Auf dem Programm stehen Rezitale, Videokunst und ein Klavierabend mit der Pianistin Alexandra Oehler. Gespielt werden Werke von Joseph Haydn, Edward MacDowell und natürlich Teresa Carreño selbst.
Vielleicht ist genau das die spannendste Erkenntnis dieser zwei Tage: Dass Geschichte manchmal nicht in Archiven beginnt. Sondern an einem Klavier. In einem Haus in Coswig. Und mit einer Frau, deren Karriere einst um die ganze Welt führte, bevor sie fast in Vergessenheit geriet. Für zwei Tage kehrt sie nun zurück.
Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung ist jedoch erforderlich. Weitere Informationen sowie das vollständige Programm sind online abrufbar unter:
Anmeldung: https://forms.cloud.microsoft/e/6hwC536ZEf
Veranstaltungsort:
Villa Teresa
Kötitzer Straße 30
01640 Coswig



