Würde jemand die Moritzburger nach ihrem „Portikus“ fragen, sie würden vielleicht kurz stutzen. Eine Säulenhalle, in griechisch-römischer Anlehnung? Wo soll die sein? Ja, es gibt sie. Das Rathaus in der Schlossstraße 22. Am 25. Juli 1922 wurde der Erwerb der „Lorenzvilla“ auf der damaligen König-Albert-Allee Nr. 22 gegenüber der Gemeinde Eisenberg-Moritzburg notariell beglaubigt.
Damit kam die Gemeindeverwaltung in den Besitz eines repräsentativen Gebäudes, das ab dem Jahre 1923 Rathaus ist. Bauherr war der Leipziger Unternehmer und später hiesige Weinbergsbesitzer und Rentier Lorenz, dessen Rebflächen sich vor allem südlich der heutigen Weinbergstraße erstreckten. Die Grundsteinlegung des im neoklassizistischen Stil errichteten Gebäudes datiert auf August 1874.
Inzwischen hat das Haus so manches erlebt, es ist an- und umgebaut worden, ein neues Gemeindegebäude am Schloss ist längst entstanden und das alte Rathaus dadurch etwas aus dem Blick gerückt. Die Container hinter dem alten Rathaus stehen immer noch und seit bald 2 Jahren darf der Balkon nicht mehr betreten werden. Einsturzgefahr! Der Sandstein bröckelt von den Säulen. „Die Statik des Gebäudes ist nicht in Gefahr“, versichert Bürgermeister Jörg Hänisch. Aber alles in allem bietet das repräsentative Gebäude einen beklagenswerten Anblick.
Grund genug, jetzt doch in die Gemeindekasse zu greifen. Für 300.000 Euro soll der Portikus komplett saniert und bei der Gelegenheit auch gleich die Rückseite des Rathauses verputzt werden. Ein Architekten-Gutachten liegt vor, noch dieses Jahr soll es losgehen.
Immerhin wird 2027 vor der Rathaustür eine großes Jubiläum gefeiert: 300 Jahre Schloss-Allee.



