In Radeburg und Moritzburg wächst der Widerstand. Die geplante 380-kV-Höchstspannungsleitung, die von Schmölln bei Bautzen bis Streumen bei Großenhain führen soll, darf nicht quer durch die Moritzburger Teichlandschaft verlaufen – darin sind sich die Ortschaften einig. Zuletzt hat der Moritzburger Gemeinderat dies kategorisch per Beschluss abgelehnt. Nur eine Trasse entlang der A13 ist für sie überhaupt akzeptabel. Alles andere wäre ein massiver Eingriff in die Landschaft der Moritzburger Kleinkuppenlandschaft und ein offener Affront – nicht nur gegenüber den betroffenen Anwohnern, sondern auch dem sächsischen Kulturgut. Man stelle sich vor, die Strommasten stünden dann u. a. in Blickweite des Moritzburger Leuchtturms. Unvorstellbar!
Viele Gemeinde-, Stadtrats- und Ortschaftsräte fühlen sich durch die hemmungslose Erweiterung im Dresdner Norden ohnehin überfahren – dass ihnen nach den Streitpunkten ums Regenwasser, Radwege, Verkehrswege und Umspannwerk jetzt auch noch gigantische Strommasten querbeet zugemutet werden, macht viele wütend.
Die Leitung soll die Stromversorgung für die künftige Chipfabrik von ESMC im Dresdner Norden sichern. Doch bei der Auswahl der einen von vier möglichen Trassen ist der Netzbetreiber 50Hertz wohl den effektivsten Weg gegangen: quer durch die Landschaft. Diese „Variante B“ würde direkt an den Radeburger Ortsteilen Volkersdorf, Berbisdorf und Bärnsdorf vorbeiführen – und mitten durch die Kleinkuppenlandschaft mit Moritzburger Schloss, Leuchtturm und Fasanerie. Es wäre der kürzeste Weg. Aber wer einmal im Schloss Moritzburg stand und die Weite der Teichlandschaft bestaunt hat, wird verstehen, warum 70 Meter hohe Strommasten dort nichts zu suchen haben.
50Hertz hält die Autobahntrasse für nicht zulassungsfähig – weil angeblich Gebäude zu nahe an der Leitung stehen und der Korridor zum Campingplatz Radeburg zu eng sei. Den könne man auch etwas verschieben, ist sich der Moritzburger Bürgermeister Jörg Hänisch sicher. Die Alternativen entlang der A13 wurden bislang von 50Hertz nie ernsthaft geprüft. Dabei fordert das Raumordnungsgesetz genau das – bestehende Infrastruktur vorrangig zu nutzen. Ob die Landesdirektion Dresden die vier Varianten – also auch die entlang der Autobahn – jetzt tatsächlich gleichrangig prüft, ist die Frage. Viele haben da so ihre Sorge.
Die Vorschläge der Bürger sind sehr konkret: Trasse A entlang der A13, östlich geführt, würde Gewerbegebiete verschonen, Siedlungen umfahren, touristische Gebiete wie den Frauen- und Luisenteich schützen. Selbst der Radeburger Stausee ließe sich umgehen – mit einem kurzen Erdverkabelungsabschnitt. Das wäre technisch machbar. Ist es auch politisch gewollt?
Über 500 Widersprüche hat der Radeburger Stadtrat Frank Schellmann mit Mitstreitern am 26. November um 17:40 Uhr im Briefkasten der Landesdirektion Sachsen – vor laufender Kamera – eingeworfen.
Sie fordern: Die Stadt Radeburg soll sich rechtlichen Beistand holen. Die Landesdirektion müsse den Netzbetreiber zu realistischen Alternativen zwingen. Dass der Denkmalschutz ein gehöriges Wort mitspricht, hoffen viele. Dass das funktionieren kann, zeigt das Beispiel Hellerau, wo ein 110-kV-Erdkabel nicht durch die Straßen der Gartenstadt verlegt werden durfte. Hier lenkte die Sachsen Energie ein. Ist die Kulturlandschaft vor der Haustür Dresdens weniger wert?



