Neugier, Staunen und gezückte Handykameras: Als die Villa Engel am Donnerstag erstmals seit langer Zeit wieder ihre Türen für die Öffentlichkeit öffnete, nutzten viele Radebeuler die Gelegenheit für einen seltenen Blick hinter die Fassade eines der beeindruckendsten historischen Gebäude der Stadt. Während draußen bereits die ersten Visualisierungen des neuen „Villa Engel Parks“ diskutiert werden, ziehen drinnen vor allem die Geschichte des Hauses die Besucher in ihren Bann.
Durch die Villa führte Anna Köhn, Tochter des Projektentwicklers Uwe Köhn. Schon beim Betreten wird deutlich, warum das denkmalgeschützte Gebäude viele Jahrzehnte überdauert hat. Alte Holzvertäfelungen, kunstvolle Buntglas-Ornamente in den Räumen und im Treppenaufgang, aufwendig gestaltete Stuckdecken und historische Wandbemalungen prägen das Bild. Im Wintergarten, wo bereits vor mehr als 100 Jahren gefeiert wurde, entdecken Besucher sogar einen historischen Trinkbrunnen für Gäste. Trotz einiger moderner Einbauten früherer Bewohner ist der ursprüngliche Charakter der Villa vielerorts erhalten geblieben. Dass dies heute überhaupt noch zu sehen ist, ist auch dem bisherigen Eigentümer Jürgen Hanke zu verdanken. Über Jahrzehnte hinweg hat er das Denkmal erhalten und gepflegt. Nun beginnt für das historische Ensemble ein neues Kapitel.
Rund um die Villa entsteht in den kommenden Jahren der „Villa Engel Park“. Gemeinsam mit der Uwe-Köhn-Unternehmensgruppe aus Dresden-Cossebaude sollen fünf Mehrfamilienhäuser mit jeweils sechs Wohneinheiten sowie fünf Einfamilienhäuser gebaut werden. Geplant sind drei freistehende Häuser und ein Doppelhaus mit zwei Wohneinheiten. Die Mehrfamilienhäuser entstehen an der Ecke Wasa- und Pestalozzistraße und bieten moderne Drei- und Vier-Raum-Wohnungen. Besonders wichtig war den Planern dabei, den historischen Park rund um die Villa zu erhalten.
Genau das sorgt bei vielen Besuchern für Zustimmung. Statt einer kompletten Neubebauung bleibt die grüne Anlage als Herzstück des Areals bestehen. Eine kleine Überraschung wartet außerdem im Inneren der Villa. Dort lagert derzeit noch die historische Brunnenfigur des Anwesens. Die Metallskulptur zeigt ein Mädchen, das einen Knaben auf den Schultern trägt, während dieser mit Wasser spielt. Bereits in den 1950er-Jahren wurde die Figur vom Brunnen entfernt. Nun soll sie restauriert und künftig wieder auf ihrem angestammten Platz aufgestellt werden.
Und was passiert mit der Villa selbst? Anna Köhn kann sich vorstellen, dass hier künftig eine Arztpraxis, eine Kanzlei oder eine ähnliche Nutzung mit privaten Räumen einzieht. Klar ist jedoch schon jetzt: Die Villa Engel soll erhalten, restauriert und als historischer Mittelpunkt des Ensembles bewahrt werden. Auch künftig könnte sie zu besonderen Anlässen ihre Türen für die Öffentlichkeit öffnen. So entsteht an der Dr.-Schmincke-Allee nicht nur neuer Wohnraum. Vielmehr wächst hier ein Quartier, das Geschichte, Natur und moderne Architektur miteinander verbinden kann – und bei dem es gelungen ist, einen der schönsten Parks in diesem Teil Radebeuls zu erhalten.


