Radebeul, Ortseingang aus Richtung Coswig: Hier steht seit Kurzem eine neue Stele. Nicht einfach ein touristisches Objekt, sondern ein stiller Zeuge eines Kapitels, das Radebeul zur Hochburg des deutschen Sekts machte. 2026 ist Sekt-Jahr in der Stadt – und Oberbürgermeister Bert Wendsche erzählt zum Anlass der Enthüllung die Geschichte hinter dem perlenden Erfolg.
Alles begann im Jahr 1836. Sachsen stand vor einer Zeitenwende: Mit der neuen Fernbahnlinie zwischen Dresden und Leipzig rollten nicht nur Züge durchs Land, sondern auch Konkurrenz in die Gläser. Französische und italienische Weine kamen plötzlich schnell und günstig nach Sachsen – für den heimischen Wein wurde es eng.
Doch die Sachsen wären nicht Sachsen, wenn sie nicht erfinderisch wären. Drei weitsichtige Weingutsbesitzer wagten den Blick über die Grenze. Sie gründeten eine Manufaktur für moussierende Weine – eine Aktiengesellschaft nach französischem Vorbild. Die Geburtsstunde der späteren Sektkellerei Bussard. Damit wurde Radebeul zum Ursprung einer deutschen Sektgeschichte, die heute noch prickelt.
Der erste Kellermeister war niemand Geringeres als der Champagner-Experte Johann Joseph Mouzon aus Reims. Mit seiner Kunst der klassischen Flaschengärung brachte er französisches Savoir-faire ins sächsische Elbtal – angepasst, verfeinert, weiterentwickelt. Bussard wurde bald zum unangefochtenen Zentrum des sächsischen Schaumweins, zu einer der ältesten Sektkellereien Deutschlands.
Heute liegt das Erbe in den Händen von Schloss Wackerbarth. Die Manufaktur wurde mehrfach ausgezeichnet – 2018 als „Bester Sekterzeuger Deutschlands“, 2025 folgte der „Deutsche Sektpreis“ für die „Hommage 1836“, den besten trockenen Sekt Deutschlands. Radebeul hat also nicht nur Geschichte, sondern Geschmack. Und das feiert die Stadt im Sekt-Jahr 2026 – mit Stil, Seele und einem Glas voller Tradition.



