Jörg Hänisch ist noch bis 31. Mai Bürgermeister in Moritzburg. Radebeul-aktuell.de fragt ihn:
Was liegt denn noch alles auf Ihrem Tisch, Herr Hänisch? Ach, jede Menge. Die Bürgermeisterwahl, die Neuwahl der Gemeindewahlleiter, ein ganz heißes Thema – die neuen Gebühren fürs Trinkwasser, die Ausschreibung Jugendparlament. Mit „teile-Auto“ verhandeln wir gerade zwei Standorte – vorm Amt und am Bahnhof. Dann die ausgedienten Trafohäuser in Reichenberg, Friedewald, Steinbach. Das Sportstättenkonzept, die Machbarkeitsstudie in Reichenberg für Dorfgemeinschaftshaus.
Und welches Thema treibt Sie besonders um? Ein Thema, das in den letzten 5 Monaten nicht mehr ganz oben auf dem Stapel liegt. Das müssen dann andere tun oder auch nicht: bezahlbares Wohnen. Ich habe es immer wieder auf die Tagesordnung gebracht, aber die Leute sagen: Wir verkaufen nichts. Aber günstiger Mietwohnraum wird für Moritzburg ein Riesen-Problem werden. Es gibt keine bezahlbaren Wohnungen. Jüngstes Beispiel: Die Wohnungen am Lindengarten/ Schließerstraße wurden jetzt an einen Immobilienfonds verkauft. Der hat die Wohnungen zuerst den Mietern angeboten – aber die wenigsten haben sie bei den Preisen gekauft. Neu gebaute Wohnungen liegen inzwischen bei 14 bis 17 Euro pro Quadratmeter. Da sagt der normale Feuerwehrmann doch, das kann ich nicht bezahlen! Klar, eine Wohnung in Moritzburg ist eine sichere Geldanlage. Aber wir müssen an unsere Moritzburger denken!
Ich hatte verschiedene Ideen angeboten – man könnte z.B. eine Wohnungsgenossenschaft gründen, vielleicht mit dem Diakonenhaus. Der Landkreis hat z.B. die alte Schule, das spätere Asylheim, das leer steht. Man könnte einige Objekte in eine Genossenschaft einbringen: In Reichenberg das alte Gemeindeamt – stattdessen machen wir jetzt ein Konzept für ein Dorfgemeinschaftshaus für 20.000 Euro, dabei hätte man auf dem Sportplatz ein Dorfgemeinschaftshaus anbauen können. Aber gut. So sind Mehrheiten.
Oder in Moritzburg das Grundstück hinterm Kollwitz-Platz, wo die Feuerwehr vorher war. Oder die Fläche hinter dem Reichenberger Hort. Oder die Fläche zwischen Asylheim und Altenheim auf der Kuppe, da gibt es sogar schon einen B-Plan. Aber diese Ideen waren nicht mehrheitsfähig. Die Mehrheit will zum Höchstpreis verkaufen. Aber so funktioniert ein Gemeinwesen nicht.
Das klingt nicht gut. Konnte Sie sich in letzter Zeit auch freuen? Sicher. Moritzburg steht gut da. Wir hatten zum Jahresende 12 Millionen auf dem Konto. Klar, im neuen Jahr wird wieder erbittert diskutiert – aber am Ende hat von 2013 bis heute kein Jahr mit Minus abgeschlossen.
Gefreut habe ich mich auch, dass wir in Friedewald in der Rekordzeit von 1,5 Jahren mit über 20 Eigentümern eine Flurbereinigung geschafft haben. Vor 200 Jahren hat das keinen interessiert, was wem gehört, aber jetzt sind Straßen wieder Straßen und Vorgärten gehören zu den Grundstücken. Da war ich manche Stunde draußen. Denn sowas funktioniert nur, wenn alle mitmachen.
Ich freue mich, dass wir das Gewerbegebiet Boxdorf komplett erschlossen haben, die Vereine, unser kulturelles-soziales Leben, den Tourismus und vieles mehr.
Ich staune, dass aus dem früheren Altenheim nichts wird. In der Lage zum Schloss! Das hätte ich als Bürgermeister auch gern gesehen. Der Eigentümer versucht seit 1990 eine attraktive Nutzung hierher zu bekommen. Ich hätte gern das Schlosshotel gehabt. Das ist immer gescheitert! Die Denkmalpflege sagt: Nein, wir wollen das Treppenhaus erhalten. Dabei ist es keine Barocktreppe. Der Eigentümer braucht aber keinen vier Meter breiten Flur. In Moritzburg ist das größte Gut und die größte Bremse die Denkmalpflege. Ich habe wirklich einen Faible für Denkmale, die wohne selbst in einem Denkmal – aber das hier tut weh. Der hintere Anbau ist schon eingebrochen.
Das erinnert mich an die „Brezel“. Das ging so lange, bis nur noch der Abriss blieb. Aber ein Denkmal muss auch in der heutigen Zeit leben. August der Starke hätte nie die Genehmigung der Denkmalschutzbehörde für den Bau seines Schlosses bekommen.
Danke für das Gespräch: Birgit Branczeisz



