Die Bilz-Pension könnte bald zu Radebeul gehören. Foto© BranczeiszDie Bilz-Pension könnte bald zu Radebeul gehören. Foto© Branczeisz

Die Bilz-Pension könnte bald zu Radebeul gehören. Denn während das Bilzbad auf Radebeuler Flur steht, gehört die Bilz-Pension auf der gegenüberliegenden Seite zu Moritzburg. Und das ist nicht die einzige Kuriosität: Wie zwei schmale Zipfel zieht sich die Gemarkungsgrenze schlängelnd durchs Lößnitztal. Was zu DDR-Zeiten kaum jemanden interessierte, zeigt sich heute in kaputten Straßen und unübersichtlichen Kreuzungen, an denen schlichtweg nichts passiert – geschuldet einem Wirrwarr an Zuständigkeiten, das sowohl Radebeul als auch Moritzburg lähmt.

Das soll sich nun ändern: Beide Kommunen wollen Flächen tauschen. Zum Beispiel in Friedewald am Kurhaus, wo die Straße die Gemeindegrenze kreuzt – Moritzburg ist Eigentümer, Radebeul trägt aber für zehn Meter Straße die Baulast. Klar, dass hier keine vernünftige Planung zustande kommt. In Reichenberg betrifft es die Grundstücke am Haltepunkt der Traditionsbahn, wo Flächenanteile von Radebeul, Moritzburg und der Bahn aufeinandertreffen – eine kaum handhabbare Situation. Und schließlich in Boxdorf, am Ende der Haidebergstraße, wo zwei Mehrfamilienhäuser künftig zu Moritzburg gehören sollen. Radebeul hat dort weder eigene Wasserleitungen noch eine direkte Straßenanbindung.

Im Sommer sprach sich der Ortschaftsrat Reichenberg mehrheitlich gegen den Gebietstausch aus, Boxdorf und Friedewald hingegen waren dafür. Der Moritzburger Gemeinderat hat noch nicht entschieden, auch aus Radebeul fehlt bislang ein offizieller Beschluss. Der Vorschlag selbst stammt übrigens nicht von gestern: Bereits 2013 sprachen Radebeuls Oberbürgermeister Bert Wendsche und Moritzburgs Bürgermeister Jörg Hänisch über diese Umverteilung.

Und die Anwohner? Die reagieren meist achselzuckend bis offen zustimmend – im Alltag spielt die Zugehörigkeit kaum eine Rolle. Beide Städte erheben keine Straßenausbaubeiträge, die Finanzen sind stabil, die Abwasseranlagen bezahlt, die Hebesätze nahezu identisch. Im Gegenteil: Ein Tausch würde vieles vereinfachen – etwa Straßenbau, Leitungswechsel oder den lange überfälligen Umbau der Kreuzung am Bilzbad, wo aktuell Straße, Radweg und Gleise verschiedenen Eigentümern gehören. Künftig soll hier die neue Grenze verlaufen.

Auch ein „Radebeuler“ Grundstück im Lößnitzgrund wäre dann nicht mehr isoliert im Außenbereich. Die vier betroffenen Grundstücke würden zu einer baulichen Einheit, auf die die strengen Außenbereichsregeln nicht mehr zutreffen. Für die Anwohner wäre der Wechsel unproblematisch – Ausweis- und Kfz-Ummeldung wären kostenlos, das Verfahren würde komplett über die Stadtverwaltung Radebeul laufen.

Solche Gebietsbereinigungen hat es bereits gegeben – etwa mit Coswig am Megadrom, wo das Heizwerk Coswig auf Radebeuler Flur stand. Solche Eigentumsverflechtungen machen es Kommunen schwer, Fördermittel zu beantragen oder Baumaßnahmen genehmigt zu bekommen. Der jetzt geplante Zipfeltausch würde diese strukturellen Hürden beseitigen – planerisch wäre endlich ein klarer Rahmen geschaffen.

Ein großer Wurf – etwa die komplette Übergabe des Lößnitzgrunds an Radebeul – ist jedoch nicht geplant. Das würde Moritzburg zu viele Einwohner kosten und ist politisch nicht durchsetzbar. Man setzt daher auf den kleinsten gemeinsamen Nenner – aber der wäre immerhin ein Schritt in die richtige Richtung.

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