So sieht Marcel Vetter die Gemeinde Moritzburg. Foto © BranczeiszSo sieht Marcel Vetter die Gemeinde Moritzburg. Foto © Branczeisz

Marcel Vetter wirkt nicht wie ein klassischer Berufspolitiker. Der 35-Jährige spricht ruhig, sachlich, manchmal fast nüchtern – und gerade deshalb mit Nachdruck. Sein Leitspruch für Moritzburg lautet: „Neue Zeit, neue Verantwortung.“ Dahinter steckt kein Schlagwort, sondern ein klarer Anspruch: Die Gemeinde soll wieder handlungsfähiger werden.

„Meine Prioritäten haben sich in den letzten Wochen bestätigt“, sagt Vetter. Er meint damit vor allem ein Thema, das für ihn sinnbildlich für die aktuelle Situation steht: das ausgelagerte Gewerbeamt. Seit einem Jahr müssen Gewerbetreibende nach Radebeul fahren. Für Vetter ist das ein falsches Signal. „Wir können doch nicht sagen: Geht mal nach Radebeul, wir schaffen das nicht in unserer Verwaltung.“ Für ihn beginnt Wirtschaftspolitik genau hier – mit funktionierenden Strukturen vor Ort.

Überhaupt spricht Vetter viel über Organisation. Der Haushalt der Gemeinde wurde im vergangenen Jahr erst im August rechtskräftig. Für ihn ein Problem mit Folgen. „Da haben wir vieles nicht mehr geschafft“, sagt er. Wenn Projekte erst so spät starten können, bleibe zwangsläufig vieles liegen. Dabei gebe es genug zu tun: Straßen, Fußwege, öffentliche Gebäude – die gesamte Infrastruktur müsse erhalten und gepflegt werden. Gerade bei den Wegen sieht er deutlichen Nachholbedarf. In Ortsteilen wie Reichenberg, am Gallberg oder in Friedewald gebe es Fußwege mit Schlammdecken und freiliegenden Wurzeln. „Das kann’s nicht sein für eine Gemeinde wie Moritzburg“, sagt Vetter. Schließlich sei der Ort weit über die Region hinaus bekannt.

Ein weiterer Punkt treibt ihn um: der demografische Wandel. Prognosen des Freistaates zeigen, dass Moritzburg in den kommenden 15 Jahren deutlich Einwohner verlieren könnte – von derzeit rund 8.350 auf etwa 7.100 Menschen. Erste Auswirkungen sind bereits sichtbar. „Unsere Kitas stehen teilweise zur Hälfte leer“, erklärt Vetter. Was heute die Kindergärten betrifft, könne bald auch die Schulen erreichen. Deshalb stellt er eine zentrale Frage: Wie gelingt es, neue Familien – etwa aus dem Dresdner Norden – für Moritzburg zu gewinnen?

Neben Infrastruktur und Bevölkerungsentwicklung sieht er das Ehrenamt als Herz der Gemeinde. Der sogenannte „Kultur-Euro“ stellt jährlich 17.500 Euro für Vereine bereit. Räume gibt es ebenfalls. Doch Vetter ist überzeugt, dass mehr möglich wäre. „Unsere Vereine tragen viel zum Gemeindeleben bei. Die sollten wir stärker unterstützen.“ Sein Blick richtet sich auch auf die Art, wie in Moritzburg gearbeitet wird. „Wir haben Schränke voller Konzepte und Beschlüsse“, sagt er. Doch oft fehle am Ende eine Zuarbeit, ein Schritt im Verfahren, eine Entscheidung. Vetter plädiert deshalb für klarere Abläufe – angefangen beim Haushalt, der idealerweise schon Anfang März beschlossen sein sollte. „Wenn das erst im April oder Mai passiert, ist das Jahr fast vorbei.“

Dass er selbst kein Verwaltungsfachwirt ist, sieht Vetter nicht als Nachteil. Im Gegenteil. Er kommt aus der Industrie – und aus Moritzburg selbst. 1990 geboren, besuchte er den Kindergarten in Boxdorf, die Grundschule in Reichenberg und später die Oberschule in Boxdorf. Seine Ausbildung zum Pharmakanten absolvierte er im Sächsischen Serumwerk Dresden. Heute arbeitet er beim Impfstoffhersteller GlaxoSmithKline Biologicals (GSK), hat sich über die IHK zum Industriemeister und technischen Betriebswirt weitergebildet und ist im Bereich Materialbeschaffung tätig. Seit 18 Jahren ist er im selben Unternehmen.

Politisch engagiert er sich seit einigen Jahren. 2014 wurde er in den Gemeinderat gewählt, seit 2022 ist er Fraktionsvorsitzender der CDU. Auch im Vereinsleben ist er aktiv: Seit 2016 engagiert er sich im Schützenverein Moritzburg als Übungsleiter und Wettkampfleiter. Sein Wohnort Boxdorf liegt in Sichtweite von GlobalFoundries – für Vetter ein symbolischer Ort. „Moritzburg ist die Schnittstelle zwischen einem europäischen Hightech-Zentrum und ländlicher Idylle“, sagt er. Genau diese Mischung müsse erhalten bleiben.

Dabei setzt er auf Zusammenarbeit statt Kontrolle. „Unsere Verwaltung hat kompetente Mitarbeiter“, betont er. Ein Bürgermeister müsse nicht alles selbst entscheiden. Verantwortung abzugeben sei genauso wichtig wie Entscheidungen zu treffen. „Mit Kontrollzwang kommen wir nicht weiter.“ Zu seinen programmatischen Schwerpunkten gehören Sicherheit und Brandschutz. Vetter fordert moderne Gerätehäuser für die Feuerwehren in Friedewald und Boxdorf sowie eine engere Zusammenarbeit mit der Polizei gegen Vandalismus. Gleichzeitig möchte er junge Menschen stärker einbinden – etwa durch einen überparteilichen Jugendgemeinderat.

Auch die Infrastruktur bleibt ein zentrales Thema: Geh- und Radwege sollen ausgebaut werden, unter anderem entlang der S81, am Mistschänkenweg, an der Volkersdorfer Straße sowie auf der Strecke zur Kurfürst-Moritz-Oberschule. Zudem setzt sich Vetter für ein Medizinisches Versorgungszentrum in Moritzburg ein und will die ÖPNV-Anbindung nach Dresden verbessern.

Digital denkt er ebenfalls weiter: Eine „Moritzburg-App“ soll künftig Informationen, Verwaltungsdienste und Veranstaltungen bündeln. Parallel plant er neue Treffpunkte für die Gemeinde – etwa ein Dorfgemeinschaftshaus im alten Gemeindeamt Reichenberg oder ein Gemeindekulturzentrum im Lindengarten. Trotz aller Pläne beschreibt sich Vetter selbst eher schlicht: „Ein normaler, bodenständiger Typ“, sagt er. Heimatverbunden, mit bürgerlichem Lebensweg. „Ein Gewächs unseres Dorfes.“ Und genau das scheint sein politischer Kern zu sein: Moritzburg nicht neu zu erfinden – sondern dafür zu sorgen, dass es funktioniert. Für alle Ortsteile. Für Vereine, Familien und Unternehmen. Und für eine Gemeinde, die ihrer eigenen Bedeutung gerecht werden will.

Anmerkung der Redaktion:

Nach einem Hinweis möchten wir einen Fakt korrigieren. Es ist tatsächlich so, dass der Gemeinderat – also auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Marcel Vetter – eine mandatierte Beauftragung beschlossen hat, die beinhaltet, dass die Radebeuler Kollegen Gewerbeanmeldungen im Hintergrund bearbeiten. Die Annahme erfolgt allerdings weiterhin in Moritzburg bzw. online auf. Wichtig ist auch, dass eine rein formale Anmeldung nichts mit Gewerbeförderung zu tun hat. Hierfür sind andere Formate nötig.

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