Zwischen ankommenden Zügen, rollenden Koffern und wartenden Reisenden liegt seit heute Musik in der Luft: Im Bahnhof Meißen wurde ein öffentlich zugängliches Klavier eingeweiht. In der eindrucksvollen Empfangshalle, die 1928 nach den Plänen des Architekten Wilhelm Kreis entstand, soll das Instrument künftig für spontane musikalische Momente sorgen – mitten im Alltag.
Zur kleinen Feierstunde versammelten sich zahlreiche Neugierige in der historischen Halle. Den Auftakt übernahm der erst neunjährige Klavierschüler Valentin. Mit seinen Stücken verwandelte er den Bahnhof kurzerhand in einen kleinen Konzertsaal und zeigte, welches Potenzial in dem neuen Kulturangebot steckt.
Oberbürgermeister Markus Renner hatte sich schon lange ein öffentliches Klavier für die Stadt gewünscht und das Projekt aktiv unterstützt. „Es ist schön, dass Passanten und Reisende nun eingeladen sind, kurz innezuhalten, selbst ein paar Töne zu spielen oder einfach zuzuhören“, sagte er bei der Einweihung.
Das Instrument selbst hat eine persönliche Geschichte: Zur Verfügung gestellt wurde es von der Meißner Musikerin Beate Voigt. Sie bekam das Klavier bereits in den 1980er Jahren als Studentin von ihren Eltern – ein Geschenk, für das damals etwa zwei Monatsgehälter aufgebracht wurden.
Die Idee knüpft an frühere kulturelle Veranstaltungen im Bahnhof an, etwa die Weihnachtskonzerte „Viel Glögg und viel Segen“ oder Auftritte im Rahmen des Kultursommers. Kulturreferentin Sara Engelmann sieht im Bahnhof einen besonderen Begegnungsort: Menschen kommen und gehen – und genau hier entstehen mit Musik neue Gelegenheiten zum Innehalten und Austauschen.
Auch Theaterchefin Ann-Kristin Böhme begrüßt das Projekt. Kunst gehöre nicht nur auf große Bühnen, sondern mitten in den Alltag. Dass der Bahnhof nun Raum für spontane musikalische Momente bietet, sei ein starkes Signal für die Kulturstadt Meißen.
Parallel wird der Standort weiterentwickelt: Im ehemaligen Saxonia-Restaurant entsteht derzeit der Jugendbahnhof Meißen als Treffpunkt für junge Menschen. Gemeinsam mit weiteren Initiativen soll so der Bahnhof Schritt für Schritt belebt werden – auch mit Blick auf zwei große Jubiläen: 100 Jahre Empfangshalle im Jahr 2028 und 1100 Jahre Meißen im Jahr 2029.



